Suchen

Recht Präzise Verträge minimieren das Streitpotenzial

| Autor/ Redakteur: Eckhard Boecker / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Das Geschäftsfeld der Kontraktlogistik bedarf des aktiven Risikomanagements auf Managementebene. Der folgende Beitrag zeigt auf, was dies hinsichtlich des Haftungs- und Versicherungsmanagements aus Sicht des Logistikers bedeuten kann.

Firmen zum Thema

( Archiv: Vogel Business Media )

Der klassische Spediteur (Logistiker werden im Rahmen dieses Beitrags synonym verwandt) von Transport- und Speditionsdienstleistungen hat seine Servicepalette in den letzten Jahren erheblich verändert. Besonders so genannte „Mehrwertdienste“ (Qualitätsprüfungen, Steckarbeiten, Labeln, Bügeln) nehmen eine immer größere Bedeutung aus Sicht des Logistikers ein.

Dies hängt auch mit verschiedenen Veränderungen in Industrie und Handel zusammen. Denn viele Betriebe dieser Wirtschaftszweige gliedern immer häufiger die eigene Logistik – zum Beispiel aus Kostengründen — aus, um sie auf externe Spediteure zu übertragen.

Die Übernahme von Mehrwertleistungen kann aus rechtlicher Sicht nicht mit Verkehrsverträgen (Speditions-, Lager- und Transportverträge) gleichgesetzt werden. Aus Sicht des Spediteurs kommen dann nicht mehr beispielsweise die ADSp. (Allgemeine Deutsche Spediteursbedingungen) zum Tragen, sondern grundsätzlich die gesetzlichen Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Jeder Spediteur, der Transporte im Selbsteintritt nach § 458 HGB (Handelsgesetzbuch) oder als Fixkostenspediteur nach § 459 HGB übernimmt, ist nach § 425 HGB für Verluste/Beschädigungen von Sendungen in seinem Gewahrsam verantwortlich. Diese Verantwortung ist verschuldensunabhängig ausgestaltet. Jedoch begrenzt sich die Haftung gemäß § 431 HGB auf 8,33 SZR (Sonderziehungsrechte) für jedes Kilogramm der Bruttomasse.

Spediteur haftet bei qualifizierter Leichtfertigkeit unbeschränkt

Aber: Beim Vorliegen einer qualifizierten Leichtfertigkeit haftet der Fixkostenspediteur nach § 435 HGB unbeschränkt. Bei Anwendung der CMR (Übereinkommen über den Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr) greifen dieselben Haftungsprinzipien sowie Rechtsfolgen im Güterschadensfall im Vergleich zum HGB. Unterschiedliche Rechtsfolgen greifen jedoch bei Vermögensschäden aufgrund von Lieferfrist-überschreitungen.

Immer öfter übernimmt der Logistiker die gesamte Verwahrung von Produkten in Größenordnungen, die mehrere 10000 m2 Lagerfläche an einem Standort beanspruchen können. Damit einhergehend übernimmt der Logistiker weitere Mehrwertdienste, die es ebenfalls im Rahmen des geschlossenen Kontraktlogistikvertrages zu erfüllen gilt. Bei der Lagerhaltung sieht das HGB sowohl für Claims (Verluste/Beschädigungen) eine unlimitierte Haftung vor.

Hinweis: Verkehrsbedingte Zwischeneinlagerungen unterliegen nicht dem Lagerrecht, da sie dem Transportgeschäft eindeutig zuzuordnen sind. Dieser Punkt ist deshalb im Schadensfall wichtig, da sich der Logistiker keiner unbegrenzten Haftung ausgesetzt sieht. Denn abhängig vom Einzelfall können beim Tatbestand der leichten Fahrlässigkeit beispielsweise die Ziffer 23.1 ADSp. (5 Euro pro Kilogramm der Bruttomasse) oder das HGB mit 8,33 SZR pro Kilogramm der Bruttomasse zur Anwendung kommen.

Logistiker sollten Minder- und Mehrmengen verrechnen lassen

Viele Kunden aus Industrie und Handel versuchen häufig bei Inventurdifferenzen, sich vom Logistiker die Fehlmengen (Lagerverluste) bezahlen zu lassen, während festgestellte Mehrmengen (Auffindungen im Lager) bei der Schadenberechnung unberücksichtigt bleiben. Dieses Verhalten ist nichts anderes als eine Sanktion, also eine verdeckte Vertragsstrafe zu Lasten des Spediteurs.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 249856)