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Welche Überlegungen gibt es hinsichtlich einer produktionstechnischen Versorgung, wie sie zum Beispiel im Automobilbereich mit traditionellen fahrerlosen Transportsystemen durchgeführt wird?
ten Hompel: Das ist naheliegend. Wir fangen aber gerade erst an, das System publik zu machen, und merken, was noch alles an positiven Ideen und Einsatzmöglichkeiten kommt – und da war die Automobilindustrie ganz früh dabei, gerade, was die Versorgung der Produktion angeht.
Jetzt können wir endlich flexible Produktionsinseln realisieren und eine vernünftige Verbindung zwischen Lager und Produktion herstellen, mit der wir manuelle und automatische Fertigungsinseln flexibel miteinander verbinden. Es gibt auch einen Automobilhersteller, der sich überlegt, schon sehr bald ähnliche Fahrzeuge einzusetzen.
Metz: Das kann ich nur bestätigen. Bei der Eröffnung unseres Dematic-Tech-Centers, als wir zusammen mit dem Fraunhofer IML zum ersten Mal das Multishuttle Move vorgestellt haben, kamen sehr viele interessierte Kunden auf uns zu – darunter überraschend viele aus der Automobilindustrie und aus der Zuliefererbranche. Die meisten hatten bereits die Vorstellung, dass sie mit dem Multishuttle Move ihr Lager direkt und flexibel mit ihrer Produktion verbinden könnten.
Wo liegen die Grenzen des Multishuttle Move hinsichtlich der Leistung im Vergleich zu klassischen Fördertechniken?
ten Hompel: Wir werden keinen Hochleistungssorter mit einer Leistung von 10000 Stück pro Stunde ersetzen können – das Multishuttle Move ist nicht die Antwort auf alle intralogistischen Fragen. Aber die Produktionsversorgung ist ein wichtiges Thema.
Herr Metz, mit Blick auf Ihr Produktportfolio bei Dematic: Graben Sie sich mit dem Multishuttle Move nicht auch bestimmte Geschäftsfelder im eigenen Hause ab?
Metz: Nein, mit Sicherheit nicht. Wir sehen viel eher die Chance, dass wir mit dem Multishuttle Move neue Einsatzfelder erschließen, als dass wir unsere eigenen Geschäfte kannibalisieren. Das Multishuttle Move wird nicht alle traditionellen Anwendungsfelder der klassischen Fördertechnik besetzen, die hat nach wie vor ihre Berechtigung. Aber es gibt eben Einsatzfälle, die heute noch gar nicht erschließbar sind, zum Beispiel überall dort, wo der Platz am Boden zunehmend gebraucht wird, um zum Beispiel Montagetätigkeiten auszuüben.
Noch eine Frage zum Energieverbrauch. Wie liegt da das Shuttle-System im Vergleich zur traditionellen Fördertechnik?
ten Hompel: Das System hat einen Antrieb mit 400 W, das entspricht einer besseren Akkubohrmaschine. Um das Multishuttle Move zwei Stunden im normalen Lagerbetrieb fahren zu lassen, reichen herkömmliche Bleigel-Standardakkus mit einer Kapazität von 42 Ah vollkommen aus.
Metz: Das Multishuttle Move braucht weniger Energie als ein Regalbediengerät, weil viel weniger Masse bewegt werden muss. Und es fährt immer den direkten, also kürzesten Weg zu seinem Ziel.
Fördertechnik wird heute noch viel zu oft auf Grenzlast ausgelegt und morgens ein- und abends wieder ausgeschaltet. Genau das vermeiden wir mit dem Multishuttle-Prinzip: Die Fahrzeuge brauchen nur dann Energie, wenn sie einen logistischen Auftrag erfüllen.
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